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Storytelling mit bewegten Bildern: Wie aus Aufnahmen eine Geschichte wird

22. Nov. 2025
4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 7. Okt.

Ein Interview, Aufnahmen aus dem Arbeitsalltag, vielleicht eine Animation: Für einen Film kommt schnell einiges an Material zusammen. Beim Storytelling geht es darum, daraus eine Geschichte zu entwickeln, der Zuschauer folgen können. Was erfahren sie zuerst? Was müssen sie verstehen, bevor es weitergeht? Und welche Aufnahme bringt die Geschichte tatsächlich voran?

Diese Fragen beschäftigen mich schon bei der Vorbereitung. Denn wenn klar ist, was der Film erzählen soll, lässt sich auch gezielter drehen. Im Schnitt haben die Aufnahmen dann eine Aufgabe und ergeben Schritt für Schritt ein Ganzes.


Was bewegte Bilder erzählen können

Bilder zeigen Dinge, die sich mit Worten nur umständlich beschreiben lassen. Wir sehen, wie jemand arbeitet, auf eine Frage reagiert oder mit anderen umgeht. Dazu hören wir seine Stimme und die Geräusche der Umgebung. So entsteht ein Eindruck von der Person und der Situation.

Auch komplexe Inhalte lassen sich auf diese Weise zugänglich machen. Ein Interview kann einen Zusammenhang erklären, während passende Aufnahmen zeigen, worum es geht. Eine Animation kann Abläufe sichtbar machen, die eine Kamera gar nicht erfassen könnte.

Eine Drohnenaufnahme liefert wiederum einen Überblick über einen Ort oder eröffnet eine ungewöhnliche Perspektive. Sie kann helfen, sich zu orientieren, und Atmosphäre schaffen. Bei der Auswahl überlege ich deshalb, welche Funktion die Einstellung im Film übernimmt.


DJI Mavic 2 Pro Drohne beim Flug durch das Gebäude der Technischen Universität Berlin
DJI Mavic 2 Pro bei einem Flug durch ein Gebäude der Technischen Universität Berlin.

Womit eine Geschichte beginnt

Bevor ich einzelne Szenen plane, kläre ich die zentrale Frage des Films. Das kann ein Problem sein, eine Entwicklung oder die Arbeit eines Menschen, den wir kennenlernen möchten. Diese Frage hilft später bei der Auswahl: Welche Aussagen und Bilder brauchen wir, damit die Geschichte verständlich wird?

Ein Anfang, ein Mittelteil und ein Ende geben Orientierung. Wie diese Teile aussehen, hängt vom Thema ab. Manchmal beginnt ein Film mit einer Beobachtung, manchmal mit einer Frage oder einer Aussage, die neugierig macht. Entscheidend ist, dass der Einstieg einen Grund liefert, weiterzuschauen.

Menschen vor der Kamera

In einem Porträt oder Dokumentarfilm tragen die Protagonisten einen großen Teil der Geschichte. Zuschauer bekommen Zugang zu einem Thema, wenn jemand aus eigener Erfahrung erzählt und konkret wird.

Dafür muss die Person kein geübter Redner sein. Gute Vorbereitung, passende Fragen und etwas Zeit helfen häufig mehr als auswendig gelernte Sätze. Auch ein Zögern, ein Blick oder eine kurze Pause kann etwas erzählen.

Bei fiktionalen Geschichten kommt hinzu, dass die Figuren nachvollziehbare Wünsche und Motive brauchen. Wir sollten verstehen können, warum sie handeln und was für sie auf dem Spiel steht.

Bild, Ton und Rhythmus

Licht, Farben und Bildausschnitt beeinflussen, wie wir eine Szene wahrnehmen. Eine weite Einstellung zeigt die Umgebung, eine Nahaufnahme lenkt den Blick auf eine Person oder ein Detail. Daraus ergeben sich Möglichkeiten, Informationen zu gewichten und Nähe herzustellen.

Im Schnitt arbeite ich außerdem mit dem Rhythmus. Manche Aussagen brauchen Raum. An anderer Stelle darf die Folge der Bilder schneller werden. Wie lange eine Einstellung stehen bleibt, verändert die Wirkung der Szene.

Ähnlich ist es beim Ton. Musik kann Spannung aufbauen oder eine Stimmung unterstützen. Geräusche machen einen Ort erfahrbar. Manchmal trägt schon der Originalton eine Szene, etwa wenn wir einen Arbeitsprozess begleiten. Deshalb lohnt es sich, beim Dreh bewusst zuzuhören und diese Geräusche aufzunehmen.

So bleibt die Produktion überschaubar

Für komplexere Abläufe kann ein Storyboard hilfreich sein. Es macht sichtbar, welche Einstellungen gebraucht werden und wie sie zusammenhängen. Bei einem dokumentarischen Porträt arbeite ich eher mit einem Interviewleitfaden und einer Liste geplanter Motive. Die Vorbereitung sollte zum jeweiligen Film passen.

Auch die Auswahl der Inhalte gehört dazu. Wenn ein kurzer Film zu viele Themen aufgreift, bleibt für jedes einzelne wenig Zeit. Lieber einen Gedanken nachvollziehbar entwickeln und überlegen, welche weiteren Inhalte eine eigene Fassung verdienen.

Vor der Veröffentlichung hilft ein Blick von außen. Zeigt den Schnitt jemandem, der das Thema noch nicht kennt. Fragt anschließend, was angekommen ist und wo etwas unklar blieb. Damit lässt sich prüfen, ob der Film auch ohne zusätzliche Erklärung funktioniert.

Drei Beispiele aus Projekten, an denen ich beteiligt war: Dokumentarfilm: „Postcard to Daddy“

In „Postcard to Daddy“ setzt sich Michael Stock mit seinem Leben und dem sexuellen Missbrauch durch seinen Vater auseinander. Seine persönliche Geschichte und die Interviews geben Zugang zu einem schwierigen Thema. Hier tragen die Erfahrungen und die Perspektive des Protagonisten den Film.

Werbespot: GetGoods mit Axel Schulz

Der GetGoods-Spot erzählt mit Axel Schulz eine kurze Geschichte voller absurder Situationen. Am Ende des Albtraums bestellt er lieber online. Der Humor entsteht daraus, dass ein bekanntes Gesicht in unerwarteten Momenten auftaucht. Die Handlung führt zur abschließenden Werbebotschaft.

Erklärfilm: Digitale Landwirtschaft für „EXPRESS“

Für das Wissenschaftsmagazin „EXPRESS“ habe ich mehrere Erklärfilme erstellt, darunter einen Beitrag über digitale Landwirtschaft. Mit Animationen lassen sich Zusammenhänge schrittweise aufbauen und auf die Bestandteile reduzieren, die für das Verständnis gebraucht werden. Gleichzeitig können wir die Bildwelt passend zum Thema gestalten.

Raum für eigene Ideen

Probiert ruhig verschiedene Einstiege, Bildfolgen oder Erzählweisen aus. Oft zeigt sich erst beim Ausprobieren, welche Idee trägt. Dafür können schon ein paar Skizzen oder ein kurzer Probeschnitt reichen. Auch KI kann beim Entwickeln und Visualisieren von Ideen unterstützen.

Wenn ihr eine ungewöhnliche Idee habt, gebt ihr eine Chance. Ob sie funktioniert, merkt ihr, sobald ihr sie konkret macht. Also: mehr Mut beim Ausprobieren. Und los ;-)

 
 
 

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